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PharmaForum 2026: Vernetzte Innovationen für die Gesundheitswirtschaft

Am 5. März 2026 rückte das PharmaForum in der Alten Lokhalle in Mainz eindrucksvoll die Zukunft der Gesundheitswirtschaft in den Mittelpunkt. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Gesundheitswesen diskutierten unter dem Leitthema „One Health als Innovationsmotor – Gesundheit vernetzt denken“, wie sich neue Kooperationen, Technologien und Forschungsansätze entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette entwickeln lassen. Organisiert wurde das Forum gemeinsam von den Wirtschaftsministerien der Länder Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland gemeinsam mit dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) und dem Gesundheitspolitischen Arbeitskreis Mitte.

Gesundheitswirtschaft als Innovationsmotor in der Region

In ihrem Grußwort betonte die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt, dass Forschung, Industrie und Politik enger zusammenarbeiten und Innovationen schneller in die Anwendung gelangen müssten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland zu stärken.

One Health: Gesundheit im Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Frage, wie der One-Health-Gedanke konkret umgesetzt werden kann. Der Ansatz basiert auf der Erkenntnis, dass Gesundheit nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern im Zusammenspiel von Mensch, Tier und Umwelt entsteht. Globale Herausforderungen wie neue Infektionskrankheiten, Pandemien oder antimikrobielle Resistenzen zeigen, dass medizinische Forschung zunehmend sektorübergreifend arbeiten muss.

In seiner Keynote erläuterte der Infektionsbiologe Elias Eger vom Helmholtz-Institut für One Health, dass viele globale Gesundheitsrisiken – etwa zoonotische Viren oder Antibiotikaresistenzen – nur dann frühzeitig erkannt und kontrolliert werden können, wenn Daten aus verschiedenen Bereichen systematisch zusammengeführt werden. Moderne Diagnostik, KI-gestützte Datenanalyse und internationale Forschungsnetzwerke seien dafür zentrale Bausteine.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass One Health nicht nur ein wissenschaftliches Konzept ist, sondern auch wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. Neue diagnostische Technologien, digitale Plattformen und biopharmazeutische Innovationen entstehen zunehmend an den Schnittstellen unterschiedlicher Disziplinen.

Forschung und Innovation entsteht in Netzwerken

Mehrere Fachvorträge beschäftigten sich mit aktuellen Entwicklungen in der biopharmazeutischen Forschung, regulatorischen Rahmenbedingungen und nachhaltigen Produktionsprozessen. Ein Schwerpunkt lag auf der zunehmenden Bedeutung datenbasierter Forschung.

Moderne Arzneimittelentwicklung nutzt immer stärker große Datensätze aus klinischen Studien, genetischen Analysen und realen Versorgungsdaten. Dadurch können Therapien präziser auf den Mensch oder bestimmte Patientengruppen zugeschnitten werden. Gleichzeitig steigen jedoch die Anforderungen an Datenintegration, Interoperabilität und regulatorische Sicherheit.

Fachkräftesicherung ist Innovations- und Standortstrategie

In seinem Beitrag machte Matthias Kühn, VP Global Supply Chain Operation bei Daiichi Sankyo Europe, deutlich, dass die Branche nicht nur mit einem generellen Fachkräftemangel konfrontiert ist. Zunehmend zeige sich auch ein Mismatch zwischen vorhandenen Qualifikationen und den künftig benötigten Kompetenzen, insbesondere im Bereich digitaler Fähigkeiten.

Technologische Entwicklungen – vor allem in den Bereichen Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz – gelten als zentrale Treiber der Arbeitswelt bis 2035. Kühn betonte jedoch, dass Technologie den Menschen nicht ersetzt, sondern vielmehr die Anforderungen an nahezu jede Rolle verändert. Mit der zunehmenden Komplexität technologischer Systeme steigen gleichzeitig die Anforderungen an regulatorische Kompetenz, Compliance und datenbasierte Entscheidungsprozesse.

Um diesen Veränderungen gerecht zu werden, brauche die Branche ein erweitertes Kompetenzmodell. Dazu zählen insbesondere Data Literacy auf allen Ebenen, ein fundiertes Verständnis regulatorischer Systeme, interdisziplinäre Teamarbeit, End-to-End-Denken entlang der Wertschöpfungsketten sowie Lernagilität und Resilienz in dynamischen Arbeitsumfeldern. Diese Entwicklungen erfordern neue Qualifizierungsstrategien sowie Anpassungen in Ausbildung, Führungskultur und Organisationsstrukturen.

Geschlechtersensible Medizin: Biologie und gesellschaftliche Faktoren zusammendenken

Ein besonders intensiv diskutierter Programmpunkt war die geschlechtersensible Medizin. Über dieses Thema diskutierten Prof. Dr. med. Dr. h.c. Vera Regitz-Zagrosek, Seniorprofessorin der Charite in Berlin, Sven Füssel, stellv. Leiter der Techniker Krankenkasse Landesvertretung Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Jochen Maas, Vize-Präsident des House of Pharma & Healthcare e.V. in Frankfurt sowie Dr. Harald Nusser, Head of Global Health and Health Equity, Merck KGaA, Darmstadt, im Rahmen der Podiumsdiskussion.

In ihrem Impulsvortrag machte Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek zuvor deutlich, dass medizinische Forschung lange Zeit stark am männlichen Körper orientiert war. Dadurch seien Symptome, Diagnosen und Medikamentendosierungen häufig nicht ausreichend auf Frauen abgestimmt. Frau Regitz-Zagrosek betonte, dass eine moderne Medizin zwischen biologischem Geschlecht (Sex) und sozialem Geschlecht (Gender) unterscheiden müsse. Während „Sex“ die biologischen Unterschiede wie Chromosomen, Hormone und Physiologie beschreibt, umfasst „Gender“ die soziokulturelle Dimension. Gemeint sind gesellschaftlich geprägte Rollen, Erwartungen, Verhaltensweisen und Identitäten, die mit „männlich“, „weiblich“ oder anderen Geschlechtsidentitäten verbunden sind, und die ebenfalls Einfluss auf Gesundheit und Krankheitsverläufe haben.

Für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung sei es daher notwendig, beide Dimensionen gemeinsam zu betrachten. Eine zentrale Herausforderung bestehe darin, die gesamte Wertschöpfungskette der Medikamentenentwicklung geschlechtersensibel zu gestalten. Frauen müssten bereits in frühen Phasen klinischer Studien systematisch einbezogen werden. Zwar nehme ihre Beteiligung in den Studienphasen II und III zu, die Ergebnisse würden jedoch häufig nicht geschlechtsspezifisch ausgewertet. Zudem treten Nebenwirkungen statistisch häufiger bei Frauen auf, was eine differenziertere Analyse erforderlich macht. Noch komplexer sei die Situation bei nicht-binären Personen, deren medizinische Bedürfnisse bislang nur unzureichend in Forschung und Versorgung berücksichtigt werden.

Prof. Regitz-Zagrosek betonte, dass geschlechtersensible Medizin somit nicht nur eine Frage der Gleichstellung ist, sondern ein zentraler Baustein für präzisere Diagnosen, wirksamere Therapien und eine bessere Gesundheitsversorgung insgesamt.

Von der Universität des Saarlandes nahm die Epigenetikerin Prof. Dr. Julia Schulze-Hentrich teil, die in ihrem Fachvortrag Einblicke in geschlechtsspezifische Unterschiede in der Entstehung und dem Verlauf neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson gab. Sie zeigte auf, dass Männer häufiger betroffen sind und Männer und Frauen auch im Krankheitsbild voneinander abweichen. Besonders betonte sie die Rolle epigenetischer Mechanismen am Nexus von Genen und Umwelt, die diese Unterschiede beeinflussen und neue Wege für gezielte Therapien eröffnen könnten. Auch Ihre Erkenntnisse verdeutlichen, wie eng moderne Genomforschung, personalisierte Medizin und geschlechtersensible Forschung miteinander verknüpft sind.

Fortschritte in der Genomik: Überführung in operative Analyse- und Überwachungssysteme

Der Gründer und Geschäftsführer des Saarbrücker Biotechnologie-Start-ups Holzer Scientific Consulting GmbH, Dr. Andre Holzer-Rosenhauer, stellte vor, wie moderne DNA-Analysen den Transfer von genomischer Forschung in praktische Anwendungen im One-Health-Kontext beschleunigen können. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Frage, wie die rasanten Fortschritte in der Genomik in operative Analyse- und Überwachungssysteme überführt werden können. Moderne Sequenzierungstechnologien ermöglichen heute eine bislang unerreichte Geschwindigkeit und Präzision bei der Analyse mikrobieller Systeme. Methoden wie kulturunabhängige Metagenomik oder die direkte Detektion von Resistenzgenen aus Umweltproben sind inzwischen etabliert. Eine zentrale Herausforderung besteht jedoch weiterhin in der Verarbeitung, Integration und Interpretation der dabei entstehenden großen Datenmengen.

Dr. Holzer-Rosenhauer zeigte, wie automatisierte Analysepipelines, skalierbare bioinformatische Infrastrukturen und integrierte Biodatenbanken diese Engpässe überwinden können. Am Beispiel der Plattform „MicromX: Detailgenaue Auflösung von Mikroorganismen in Echtzeit“ demonstrierte er, wie ein komplexer metagenomischer Forschungsworkflow in eine automatisierte Echtzeit-Analyseinfrastruktur überführt werden kann. Prozesse, die früher Wochen manueller Analyse erforderten, lassen sich dadurch heute weitgehend automatisiert durchführen und ermöglichen eine schnelle Charakterisierung der bakteriellen Diversität in komplexen Proben.

Der Ansatz eröffnet neue Anwendungsmöglichkeiten in der pharmazeutischen Forschung, der klinischen Diagnostik sowie in der globalen Umwelt- und Gesundheitsüberwachung. Gleichzeitig arbeitet das Team gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie daran, die Systeme weiterzuentwickeln und neue Einsatzfelder zu erschließen. Organisationen, die an datengetriebenen One-Health- oder Surveillance-Lösungen interessiert sind, lud Holzer-Rosenhauer ein, gemeinsam neue Pilotprojekte und Anwendungen zu entwickeln.

Begleitende Ausstellung

Parallel zum Konferenzprogramm präsentierten zahlreiche Unternehmen und Forschungseinrichtungen ihre Technologien in einer Ausstellung. Die Bandbreite reichte von Diagnostik- und Biotech-Start-ups bis hin zu Labordienstleistern, internationalen Pharmaunternehmen und Einrichtungen der Universitätsmedizin. Zu den saarländischen Ausstellern gehörte neben der Quasaar GmbH auch das Start-up Holzer Scientific Consulting GmbH.

Rolle des Saarlandes: Impulsgeber für die Life-Science-Region

Das Saarland spielte auch beim PharmaForum 2026 eine wichtige Rolle als Mitveranstalter und Partner innerhalb der südwestdeutschen Life-Science-Region. Institutionen, Cluster- und Transferinitiativen, Innovationsnetzwerke sowie Programme zur Technologieförderung tragen im Saarland dazu bei, Unternehmen, Hochschulen und Start-ups enger miteinander zu vernetzen und gemeinsame Innovationsprojekte anzustoßen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette entstehen dadurch neue Möglichkeiten für Kooperation, Technologietransfer und Marktentwicklung.

Ausblick: PharmaForum 2027 im Saarland

Im nächsten Jahr ist Saarbrücken wieder Schauplatz des PharmaForums, das voraussichtlich im März 2027 stattfinden wird. Auch die kommende Veranstaltung wird die Innovationskraft der Branche im Südwesten weiter sichtbar machen und neue Partnerschaften zwischen Forschung, Industrie und Politik anstoßen.

Diese News erscheint im Rahmen der saarländischen Transferinitiative. Partner der Initiative sind die saaris GmbH, die FITT gGmbH sowie die Triathlon Transfer GmbH. Ziel der gemeinsamen Aktivitäten ist die nachhaltige Stärkung des Technologietransfers im Saarland und damit die gezielte Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit des saarländischen Wirtschaftsstandortes. 

Gerne können Sie sich bei Interesse an dem Thema oder einer Kooperation auch an unsere verantwortliche saaris-Mitarbeiterin wenden. Sie unterstützt Sie bei der Vernetzung, mit dem Ziel, den Technologietransfer im Saarland voranzutreiben.

Ihre Ansprechpartnerin bei saaris:

Max Mustermann
Heike Ziegler-Braun Technologietransfer | Life Science & Material Science 0681 210 66 203 heike.ziegler-braun@saaris.saarland