Erstes FusionForum des PharmaScienceHubs – Impulse für ein starkes Life-Science-Ökosystem im Saarland
Mit dem neuen Format des PharmaScienceHubs, dem „FusionForum“ hat das Saarland kürzlich ein starkes Zeichen für die Zukunft des regionalen Innovations- und Technologietransfers gesetzt. Rund zwei Stunden lang trafen sich Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Industrie und Politik im Innovation Center der Universität des Saarlandes, um entscheidende Themen der pharmazeutischen Wertschöpfungskette zu diskutieren – von moderner Wirkstoffforschung über flexible Produktionskonzepte bis hin zu einer Versorgung, die Innovationen wirklich bei den Menschen ankommen lässt.
Forschung mit Wirkung: Bedeutung für das Saarland
Zum Auftakt unterstrich UdS-Präsident Ludger Santen, dass exzellente Forschung erst dann relevant wird, wenn sie in Wirtschaft und Gesellschaft wirkt. Gerade im Strukturwandel des Saarlandes seien interdisziplinäre Ansätze unverzichtbar. Der PharmaScienceHub (PSH) spiele dabei eine zentrale Rolle: 40 Unternehmen arbeiten bereits heute mit dem PSH und Hochschulen zusammen. Diese enge Verzahnung sei notwendig, um Forschungsergebnisse schnell in marktfähige Lösungen zu überführen.
Prof. Rolf Müller, Geschäftsführender Direktor des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), setzte den Fokus auf die Kombination aus Wirkstoffforschung und Künstlicher Intelligenz. Dieses Zusammenspiel wird künftig enorme Chancen eröffnen – vorausgesetzt, man bringt Industrie, Medizin, Pharmazie und Informatik konsequent zusammen. Nur so entsteht ein Ökosystem, das nachhaltig Wertschöpfung erzeugt.
Politische Rückendeckung für die LifeScience-Branche
Wirtschaftsminister Jürgen Barke betonte im anschließenden Grußwort, dass das Saarland neben Automotive und Stahl ein drittes starkes Standbein braucht: LifeScience. Hohe Investitionen in Forschung und pharmazeutische Entwicklung seien daher bewusst politisch gewollt. Das Saarland positioniere sich hier als Standort mit Zukunft.
Keynote 1: Innovation muss Versorgung erreichen
In seiner Keynote „Innovation trifft Versorgung“ zeigte Oliver Stenzel (Lilly Deutschland GmbH) klar auf, wo Fortschritt heute ausgebremst wird – und wo große Chancen liegen.
Ein Schwerpunkt seines Vortrags war der Bereich Alzheimer, in dem Lilly nach 35 Jahren Forschung einen Meilenstein erreicht hat: Ein neues Medikament, das im frühen Stadium die Krankheitsprogression verlangsamen kann. Zusätzliche Diagnosemöglichkeiten, wie z.B. Blut-Biomarker sind aktuell in der Entwicklung und können in einiger Zeit breit zur Verfügung stehen.
Doch Stenzel machte auch deutlich: Ein Medikament wird erst zur Innovation, wenn es bei den Menschen ankommt. Deutschland habe grundsätzlich einen schnellen Marktzugang, aber strukturelle Versorgungsprobleme – etwa lange Wartezeiten oder fehlende Datenanalyse und -nutzung – bremsten den Fortschritt.
Clusterstrukturen, wie sie sich in Hessen, Rheinland-Pfalz und nun auch im Saarland entwickeln, können diese Prozesse beschleunigen. Zudem brauche es eine gesellschaftliche Entstigmatisierung von Alzheimer und Plattformen wie das Dialogforum Demenz, um alle Beteiligten – Politik, Wissenschaft, Wirtschaft – an einen Tisch zu bringen.
Keynote 2: Flexible Produktion für hochkomplexe Wirkstoffe
Jörg Zimmermann (Vetter Pharma-Fertigung GmbH & Co. KG) gab einen tiefen Einblick in die Praxis eines Unternehmens, das sich vom kleinen Familienbetrieb zum globalen Hightech-Partner der Pharmaindustrie entwickelt hat.
Vetter deckt heute fast die gesamte Kette steriler Darreichungsformen ab – Aufbereitung der Wirkstoffe, Abfüllen, optische Kontrolle, Montage, Verpackung. 80 % der Kundenprodukte sind komplexe biologische Wirkstoffe für Krankheitsbilder wie Rheuma, Diabetes, Migräne oder seltene Erkrankungen.
Zimmermann zeigte eindrucksvoll, welche Spannbreite moderne Produktion leisten muss: Von kleinen Chargen mit 3.000 Einheiten für seltene Erkrankungen, bis zu 850.000 Einheiten pro Charge für die breite Anwendung.
Beides erfordert hochautomatisierte Prozesse, eine kompromisslose Qualitätssicherung und ein ständiges Investitionsniveau von bei Vetter rund 25 %.
Der Vortrag zeigte, dass an die Herstellung von sterilen Arzneimitteln höchste Ansprüche gestellt werden und diese auf höchstem technischen Niveau stattfinden müssen. Die gute Nachricht: Vetter Pharma plant die Produktionskapazitäten in den nächsten Jahren in Deutschland weiter auszubauen.
Der PharmaScienceHub: PharmaScienceHub: Fundament und Vision
Andreas Keller und Kristina Scherbaum erläuterten den Weg des PharmaScienceHub seit seiner Gründung 2023.
Der PSH ist eine gemeinsam gegründete Kooperationsplattform der Universität des Saarlandes und des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS),aufgebaut auf dem Fundament von 15 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit. Seine Kernaufgabe: die Förderung interdisziplinärer Forschung und die Beschleunigung der pharmazeutischen Translation.
Die Vision des PSH ist der Aufbau eines sichtbaren Life-Science-Ökosystems im Saarland in enger Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft, Industrie und Politik. Ziel ist die schnelle, effiziente und KI-gestützte Identifizierung und Entwicklung von Arzneimitteln gegen gesellschaftlich relevante Krankheiten wie Infektionen, Krebs und altersbedingte Erkrankungen. Dabei nutzt der PSH seine wissenschaftliche Basis auch, um Drittmittel strategisch koordiniert zu erschließen
Aus einer Kooperationsplattform mit heute 84 Mitgliedern und rund 500 affiliierten Forschenden und neun Forschungs-Profilbereichen soll in den nächsten Jahren ein dynamisches Netzwerk entstehen.
Die Stärke des PSH liegt weiterhin im interdisziplinären, fachbereichsübergreifenden Zusammenspiel von Naturwissenschaft, Informatik und Medizin. Konkrete neue Projekte wie OptimAlze, gefördert vom BMBF, oder die exklusive Kooperation des HIPS-PSH mit Beyersdorff zur Erforschung hautmikrobiom-basierter Wirkstoffe für gesunde Haut und innovative Kosmetik zeigen, wie Translation funktioniert: Wissenschaft und Unternehmen entwickeln gemeinsam konkrete Lösungen.
Mit neuen Formaten, KI-gestütztem Matchmaking und einer Funktion als zentrale Ansprechstelle für Technologietransfer im Bereich Wirkstoffforschung geht der PSH nun den nächsten Schritt – hin zu einem echten Innovationsökosystem.
SouthwestX: Startups als Katalysatoren
Zum Abschluss stellte Ralf Zastrau (Triathlon) die Rolle von SouthwestX als Enabler im regionalen Ökosystem vor: Startups bringen Geschwindigkeit, Mut zu neuen Wegen und setzen Impulse, die etablierte Strukturen ergänzen. Damit stärken sie das LifeScience-Cluster zusätzlich.
Fazit
„Eine Erfindung allein verändert noch nichts – erst wenn sie in die Praxis umgesetzt wird, entsteht Innovation. Dafür braucht es mehr als Forschung: klare politische Rahmenbedingungen, gezielte Wirtschaftsförderung als Brücke zwischen Forschung und Markt sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Nur so erreichen neue Therapien die Menschen, für die sie gedacht sind.“, sagt Heike Ziegler-Braun, Projekt- und Innovationsmanagerin bei der saaris GmbH. Innovationen werden nur dann wirksam, wenn sie angenommen, genutzt und unterstützt werden.
Das FusionForum wurde in Kooperation mit dem Bereich Life Science und Material Science der saaris – saarland innovation und standort GmbH – realisiert. Als ein zentraler Player der Wirtschaftsförderung des Saarlandes unterstützt saaris nicht nur beim Innovation- und Technologietransfer oder dem Aufbau von Innovationsnetzwerken, sondern brachte mit Oliver Stenzel (Lilly Deutschland GmbH) einen hochkarätigen Keynote-Speaker in das Programm ein. Damit unterstreicht saaris seine Rolle als Brückenbauer zwischen Forschung, Wirtschaft und Politik und als Impulsgeber für die Entwicklung des Life-Science-Ökosystems im Saarland.
Sie haben Interesse, am Ökosystem Lifesience im Saarland mitzuarbeiten? Dann kontaktieren Sie gerne unsere verantwortliche saaris-Ansprechpartnerin.
Vielen Dank an den PSH für die tolle Kooperation und Überlassung der Bilder Bildautor: Oliver Dietze





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