Gimme Shelter: Regionales Gestalten für innovatives Wohnen und eine gesicherte gesundheitlich-pflegerische Versorgung im Alter
Mit Impulsen von saaris aus Sicht von Innovation und Technologietransfer
Vom 19. bis 20. Januar 2026 trafen sich Expert:innen aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Gesundheitswirtschaft in der Evangelischen Akademie Loccum zur Tagung „Gimme Shelter: Regionales Gestalten für innovatives Wohnen und eine gesicherte gesundheitlich-pflegerische Versorgung im Alter“. Eine Veranstaltung, die in Kooperation mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe und dem Netzwerk Deutscher Gesundheitsregionen stattfand, in dem saaris Mitglied ist.
Was bedeutet Gimme Shelter?
Der Titel „Gimme Shelter“ geht auf den gleichnamigen Song der Rolling Stones (1969) zurück. Entstanden vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Krisen, politischer Spannungen und kollektiver Verunsicherung, steht der Song sinnbildlich für das existenzielle Bedürfnis nach Schutz, Sicherheit und Zuflucht in Zeiten des Umbruchs. „Shelter“ meint dabei weit mehr als ein Dach über dem Kopf: Es geht um Schutz vor sozialen, psychischen und strukturellen Risiken – um Orte, Systeme und Gemeinschaften, die Halt geben, wenn äußere Sicherheiten brüchig werden.
Übertragen auf den Kontext der Tagung beschreibt „Gimme Shelter“ präzise die aktuelle gesellschaftliche Herausforderung: In einer alternden Gesellschaft wird Wohnen zur zentralen Schnittstelle von Selbstbestimmung, Versorgung, sozialer Teilhabe und technologischer Unterstützung. Die Frage nach „Shelter“ ist damit nicht nostalgisch, sondern hochaktuell – sie zielt auf neue Antworten auf Sicherheit, Unterstützung und Lebensqualität im Alter.
Die Veranstaltung setzte nationale wie internationale Impulse für innovative Wohn- und Versorgungskonzepte im Alter – von Stambulant-Modellen über Pflege-WGs und Quartiersaktivitäten bis hin zu Fragen von Prävention, Früherkennung oder digitalen Unterstützungsangeboten. Ein besonderes Highlight war die Einbindung von Perspektiven aus unterschiedlichsten Disziplinen: Praxisreferate, Fachvorträge und interaktive Diskussionen beleuchteten Wege zu gemeinschaftlich getragenen Versorgungslösungen, präventiven Gesundheitsstrategien und technischen Innovationen für ein „gutes Altern“ in der Region.
Impuls aus der Innovationspraxis: saaris zur Zukunft des Wohnens im Alter
Heike Ziegler-Braun, Projekt- und Innovationsmanagerin bei saaris, moderierte die inhaltliche Session „Das virtuelle Altenheim: Technik und Dienstleistungen für das Wohnen im Alter“. Dadurch brachte saaris Impulse aus regionaler Innovations- und Wirtschaftsförderung in die altersgerechte Versorgung ein
Im Rahmen der Moderation brachte saaris zum Einstieg eine strukturierende Perspektive aus Innovations- und Transformationsforschung in die Diskussion ein und verband so die wirtschaftliche Perspektive mit gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen. Ausgangspunkt war die Feststellung, dass sich Deutschland in einem tiefgreifenden demografischen Wandel befindet: Mit den Babyboomern wächst eine neue Generation Älterer heran, deren Lebensentwürfe, Erwartungen und Ressourcen deutlich vielfältiger sind als die bisheriger Alterskohorten. Altwerden ist dabei nicht mit Pflegebedürftigkeit gleichzusetzen, sondern beschreibt vielmehr eine Lebensphase, in der mit zunehmender Wahrscheinlichkeit Unterstützungs- oder Pflegebedarfe entstehen können – eine Differenzierung, die in politischen, institutionellen und marktlichen Logiken bislang nur unzureichend abgebildet wird.
Gleichzeitig existiert bereits heute eine große Bandbreite technischer und dienstleistungsbezogener Innovationen für ein selbstständiges, sicheres und teilhabeorientiertes Leben im Alter: von digitalen Assistenzsystemen über vernetzte Wohn- und Quartierslösungen bis hin zu KI-gestützten Unterstützungsangeboten. Der zentrale Engpass liegt nach Einschätzung von saaris jedoch nicht im Mangel an Innovation, sondern in deren Überführung in die Breite. Viele Lösungen verbleiben in Modellprojekten, Pilotanwendungen oder Nischenmärkten.
Impulse aus Praxis, Wissenschaft und Politik
Die Session wurde durch Beiträge ausgewiesener Expert:innen aus Praxis, Wissenschaft und Politik geprägt:
- Delia Balzer, Leiterin der Landesinitiative Niedersachen Generationengerechter Alltag (LINGA),
- Dr. Claudia Müller, Professorin im Bereich Sozio-Informatik und IT für die alternde Gesellschaft an der Uni Siegen und Sprecherin des bundesweiten Fachbeirats DigiBäM,, dem zentralen Beratungsgremium für Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen,
- Dr. Horst Kunhardt, der maßgeblich am Aufbau des European Campus Rottal-Inn beteiligt war und unzählige Projekte im Bereich Health IT vorangebracht hat sowie
- Bernadette Klapper, die seit Sept. 2025 beim GKV-Spitzenverband die Forschungsstelle Pflegeversicherung leitet und mit dieser Rolle eng an das neue Kompetenzzentrum Digitalisierung und Pflege angebunden ist.
Sie alle brachten unterschiedliche Perspektiven auf das Wohnen und die Versorgung im Alter ein. Ihre Inputs reichten von konkreten Umsetzungsbeispielen und Versorgungsrealitäten über strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen bis hin zu Fragen der Skalierung und Übertragbarkeit innovativer Modelle. Gemeinsam machten die Beiträge deutlich, dass zukunftsfähige Lösungen für das Wohnen im Alter nur im Zusammenspiel von Praxiswissen, institutioneller Verantwortung und strategischer Weiterentwicklung entstehen können.
Saaris weist auf systemische Hemmnisse hin
saaris lenkte die Diskussion daher auf systemische Hemmnisse: fragmentierte Zuständigkeiten, fehlende Schnittstellen zwischen Technik, Dienstleistung und Finanzierung, unklare Geschäftsmodelle sowie regulatorische Rahmenbedingungen, die Skalierung erschweren. Der Beitrag machte deutlich, dass die Zukunft des Wohnens im Alter weniger eine technologische als vielmehr eine organisatorische, ökonomische und governance-bezogene Transformationsaufgabe ist – und dass regionale Innovationsökosysteme eine Schlüsselrolle spielen können, um vorhandene Lösungen wirksam in Versorgung und Alltag zu integrieren.
Die Tagung zeigte: Das Innovationsdilemma ist kein Versagen Einzelner – sondern ein Auftrag zur gemeinsamen Gestaltung. Neue Wohn- und Pflegeformen entstehen dort, wo regionale Zusammenarbeit, technologischer Fortschritt und soziale Teilhabe gemeinsam geplant und vorangebracht werden – ein zentrales Anliegen im demografischen Wandel unserer Gesellschaft und letztendlich auch eine Frage der Demokratie.
Ein kurzes Feedback seitens der Teilnehmenden finden Sie hier
Das Bild zeigt links Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutscher Altershilfe, rechts die Tagungsleiterin Prof. Dr. Julia Koll. Aufgenommen wurde es von saaris.
Das Thema interessiert Sie? Dann kontaktieren Sie bitte unsere saaris-Mitarbeiterin Heike Ziegler-Braun
Ihre Ansprechpartnerin bei saaris:

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