Best Practise-Beispiel: DIKOM bringt die Diagnostik zu den Menschen
Mobile Diagnostik direkt am Pflegeheim: DIKOM-Projekt präsentiert weltweit erstes batterieelektrisches CT-Fahrzeug und bringt damit die Diagnostik zu den Menschen
Mit dem bundesweit einmaligen Innovationsfondsprojekt DIKOM, haben die Universität des Saarlandes, das Universitätsklinikum des Saarlandes gemeinsam mit saarländischen und überregionalen Partnern einen LKW vollgepackt mit Hightech Diagnostik entwickelt und damit über acht Millionen Euro Fördergelder vom Gemeinsamen Bundesausschuss bewilligt bekommen. Das Herzstück des Projekts ist eine Mobile Geriatrie Unit, die modernste Diagnostik direkt zu pflegebedürftigen Menschen bringt und damit unnötige Krankenhausaufenthalte vermeiden soll.
Ziel: Vermeidbare Krankenhauseinweisungen von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen zu reduzieren
Mit dem Projekt DIKOM („Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“) erprobt die Universität des Saarlandes gemeinsam mit zahlreichen Partnern ein bundesweit einzigartiges Versorgungsmodell für pflegebedürftige Menschen. Ziel des vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderten Projekts ist es, vermeidbare Krankenhauseinweisungen von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen zu reduzieren und gleichzeitig die medizinische Versorgung vor Ort zu stärken. Hierfür kommt eine speziell entwickelte Mobile Geriatrie Unit (MGU) zum Einsatz – ein mit modernster Medizintechnik ausgestattetes Spezialfahrzeug, das diagnostische Untersuchungen direkt am Pflegeheim ermöglicht. Mittels Computertomographie, Röntgen, Ultraschall, EKG, EEG, Labordiagnostik und telemedizinischer Anbindung können medizinische Fragestellungen vor Ort abgeklärt und die Ergebnisse zeitnah den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung gestellt werden.
Möglich durch Miniaturisierung medizinischer Geräte
Das Leitmotiv des Projekts lautet: „Wenn der Patient nicht zur Diagnostik kommen kann, kommt die Diagnostik zum Patienten.“ Der technische Fortschritt macht dies überhaupt erst möglich. Er beruht vor allem auf der enormen Miniaturisierung medizinischer Geräte. Wenn man daran denkt, wie die Technik noch vor 25 Jahren aussah, ist es beeindruckend, was heute alles in ein Fahrzeug passt.
Best Practise-Beispiel für Technologietransfer: Wissenschaftliche Expertise der Universität des Saarlandes mit der Innovationskraft eines saarländischen Mittelständlers
Das Projekt verbindet die wissenschaftliche Expertise der Universität des Saarlandes mit der Innovationskraft eines saarländischen Mittelständlers. Die Firma A6 Jung ist ein mittelständisches Unternehmen aus Homburg mit rund 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Unternehmen beschäftigt sich seit über 100 Jahren mit dem Schwerfahrzeugbau. Der Großvater des jetzigen Geschäftsführers Axel Jung hat das Unternehmen gegründet. Seitdem entwickelt und fertigt das Unternehmen Spezialfahrzeuge für unterschiedlichste Einsatzbereiche.
Zahlreiche Besonderheiten
Auf Initiative von und gemeinsam mit Professor Faßbender wurde ein Konzept entwickelt, um ein mobiles CT-System zu realisieren. Die Besonderheit dieses Fahrzeugs liegt zunächst in seiner Bauweise. Durch die nach außen ausfahrbaren Seitenwände entsteht zusätzlicher Raum, sodass das medizinische Personal optimal um den Patienten herum arbeiten kann und ist komplett barrierefrei. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass das Fahrzeug vollständig batteriebetrieben ist. Ein CT-Gerät hat einen enormen Strombedarf. Weltweit wird hier erstmals ein mobiles CT-System vollständig über Batteriespeicher betrieben. Die Batterien werden nachts über das Stromnetz geladen. Das Fahrzeug verfügt anschließend über genügend Energiereserven, um theoretisch bis zu 20 Stunden pro Tag CT-Untersuchungen durchzuführen. Rein theoretisch wäre damit sogar ein Betrieb im Zweischichtsystem möglich.
Weltweiter Trend hin zu einer wohnortnahen und flexiblen Gesundheitsversorgung
Die Entwicklung zeigt exemplarisch, wie moderne Medizintechnik dazu beitragen kann, Gesundheitsversorgung neu zu denken. Während die Geriatrie einen wichtigen ersten Anwendungsbereich darstellt, reichen die potenziellen Einsatzmöglichkeiten weit darüber hinaus. Internationale Anfragen, wie z.B. aus der Schweiz und das wachsende Interesse an dezentralen Versorgungskonzepten unterstreichen die Relevanz dieses Ansatzes. „Wir beobachten weltweit einen Trend hin zu einer wohnortnahen und flexiblen Gesundheitsversorgung, so Axel Jung. Mobile Diagnostiklösungen können dazu beitragen, medizinische Leistungen dort anzubieten, wo sie benötigt werden – direkt bei den Menschen“, betont das Projektteam.
Haus- und Fachärzte vor Ort werden gestärkt und Krankenhäuser entlastet
Die „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU) wird bei ihren Untersuchungseinsätzen von Fachärzten sowie von medizinisch-technischen Radiologie- und Rettungsassistenten begleitet. Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten werden über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie übermittelt. „Diese Experten werten die Befunde aus und stellen sie zeitnah den überweisenden Hausärzten und den Pflegeteams in den Heimen zur Verfügung, damit diese ihre Patienten in vertrauter Umgebung weiter versorgen können. Auf diese Weise werden die Haus- und Fachärzte vor Ort gestärkt und die Krankenhäuser entlastet. Auch die Beiträge der Versicherten werden wirtschaftlicher eingesetzt“, erklärt Professor Klaus Faßbender.
Gemeinsam an einem Strang
Der gesamte Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet, um den medizinischen und ökonomischen Nutzen als Basis für eine zukünftige Übernahme in die Regelversorgung zu evaluieren. Unterstützt wird das Modellprojekt „DIKOM – Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen Diagnostikexperten von Xcare, des Caritasklinikums Lebach.
„DIKOM ist gelebter Wissenstransfer: Forschung, Medizin und Wirtschaft haben gemeinsam eine Innovation im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gebracht.“
Bei der offiziellen Übergabe des Fahrzeugs auf dem Campus der Universität des Saarlandes sagte Prof. Dr. Ludger Santen, Präsident der Universität des Saarlandes: „DIKOM ist gelebter Wissenstransfer: Forschung, Medizin und Wirtschaft haben gemeinsam eine Innovation im wahrsten Sinne des Wortes auf die Straße gebracht.“ Auch Jakob von Weizsäcker, Minister der Finanzen und für Wissenschaft des Saarlandes betont, dass die Universität des Saarlandes und ihre Partner mit diesem Projekt echte Pionierarbeit für die Gesundheitsversorgung der Zukunft geleistet haben und wie Innovation helfen kann, Versorgungslücken zu schließen und Diagnostik direkt zu den Menschen zu bringen. Für David Lindemann, Staatssekretär, Chef der Staatskanzlei und Vorsitzender des Aufsichtsrates des Universitätsklinikums das Saarlandes steht DIKOM für Innovation aus dem Saarland: Forschung, Gesundheitswesen und Wirtschaft haben gemeinsam eine zukunftsweisende Lösung geschaffen. Solche Leuchtturmprojekte machen deutlich, dass das Land seine Stärken selbstbewusst präsentieren kann und sollte. Innovation entsteht, wenn Visionen, wissenschaftliche Exzellenz und unternehmerischer Mut zusammenkommen.
Mehr dazu hier
Dass DIKOM bereits heute bundesweit Aufmerksamkeit erfährt, zeigt auch die Präsentation auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit vom 23. bis 25. Juni 2026 in Berlin. Dort wird das Projekt mit einem eigenen DIKOM-Innovations-Campus vertreten sein und das Saarland, die Universität des Saarlandes sowie das Universitätsklinikum als Vorreiter einer innovativen und patientennahen Gesundheitsversorgung präsentieren.
Diese News erscheint im Rahmen der saarländischen Transferinitiative. Partner der Initiative sind die saaris GmbH, die FITT gGmbH sowie die Triathlon Transfer GmbH. Ziel der gemeinsamen Aktivitäten ist die nachhaltige Stärkung des Technologietransfers im Saarland und damit die gezielte Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit des saarländischen Wirtschaftsstandortes.
Sie interessieren sich für das Thema und mögliche Einsätze in der Praxis? Dann kontaktieren Sie gerne die dafür verantwortliche saaris-Mitarbeiterin. Sie ist auch Ansprechpartnerin für den Hauptstadtkongress.
Ihre Ansprechpartnerin bei saaris:

Subscribe to our newsletter now!
Our newsletters are currently only available in German. Please note our data privacy statement.


