Gemeinsam Kreisläufe schließen: Wirtschaft, Wissenschaft und Politik gestalten die Industrie von morgen
Unter dem Titel „Stahl & Circular Economy – Resilienz durch Kreislaufwirtschaft“ versammelten sich am Mittwoch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in der Luminanz in Saarbrücken. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, welche Rolle die Kreislaufwirtschaft für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Deutschlands und Europas, besonders im Hinblick auf die Stahlindustrie, spielt.
Kreislaufwirtschaft als strategischer Standortfaktor
Dabei wurde deutlich: In der Stahlherstellung ist Circular Economy keine Vision, sondern bereits gelebte Realität. Der Werkstoff Stahl kann nahezu unbegrenzt und bis zu 100 Prozent recycelt werden. Diese hohe Kreislauffähigkeit gewinnt angesichts zunehmender Rohstoffabhängigkeiten, fragiler Lieferketten und wachsender protektionistischer Tendenzen im Welthandel weiter an Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund wird die Entwicklung einer leistungsfähigen nationalen und europäischen Kreislaufwirtschaft zu einem zentralen Faktor. Sie ist entscheidend, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken, die Resilienz gegenüber globalen Risiken zu erhöhen und gleichzeitig klimapolitische Ziele zu erreichen.
Öffentliche Beschaffung als Hebel für die Transformation
Ein wichtiger Hebel liegt dabei in der öffentlichen Beschaffung: Das Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie hebt deren zentrale Bedeutung ausdrücklich hervor. Mit einem Beschaffungsvolumen im dreistelligen Milliardenbereich kann die öffentliche Hand maßgebliche Impulse setzen. Ziel ist es daher, den Anteil zirkulärer Produkte – insbesondere in Unternehmen mit Bundesbeteiligung – kontinuierlich zu erhöhen und regulatorische Hemmnisse konsequent abzubauen.
Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), dass Deutschland innerhalb der EU die Volkswirtschaft mit dem größten Materialeinsatz ist und weltweit zu den größten Rohstoffimporteuren zählt. Die industrielle Wertschöpfung ist vielerorts noch stark linear geprägt, während zugleich eine hohe Abhängigkeit von Importen besteht. Dies unterstreicht den politischen und wirtschaftlichen Handlungsbedarf.
Rohstoffsicherung wird zur industriepolitischen Aufgabe
Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Rolle von Stahlschrott als Sekundärrohstoff. Im Zuge der Transformation hin zu einer CO₂-armen Stahlproduktion wird die Nachfrage nach hochwertigem Stahlschrott deutlich steigen. Die Sicherung dieser Ressource wurde von den Teilnehmenden als entscheidender Erfolgsfaktor identifiziert.
Vor diesem Hintergrund unterstützt der Stahl-Verband-Saar die Forderungen der Wirtschaftsvereinigung Stahl (WV Stahl): Auf europäischer Ebene sollen ein Monitoringsystem für Stahlschrottexporte etabliert sowie Maßnahmen zur Förderung zirkulärer Produktionsprozesse vorangetrieben werden – etwa durch den Ausbau von Schrottaufbereitungs- und sortiersystemen. Zudem braucht es eine nachhaltige öffentliche Beschaffung „Made in EU“.
Technologietransfer verbindet Forschung und industrielle Anwendung
In seiner Keynote gab Dr. Claas Oehlmann (BDI) einen fundierten Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich Stahl und Circular Economy und ordnete diese in den industriepolitischen Gesamtkontext ein. Dabei wurde deutlich, dass funktionierende Stoffkreisläufe eine grundlegende Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und strategische Unabhängigkeit sind.
Praxisbeispiele zeigen Potenziale geschlossener Stoffkreisläufe
Frank Düssler (GMH Gruppe) stellte in seinem Impulsvortrag „Rohstoff Stahlschrott – Möglichkeiten und Grenzen“ die zentrale Rolle von Schrott für die Elektrostahlroute heraus. Gleichzeitig wies er auf Herausforderungen hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität hin.
Am Praxisbeispiel der „Grünen Schiene“ zeigte Dr. Nadine Artelt (Saarstahl), wie geschlossene Stoffkreisläufe konkret umgesetzt werden können. Ihr Beitrag verdeutlichte, wie innovative Produktionsprozesse und nachhaltige Modelle die Transformation der Stahlindustrie aktiv vorantreiben und wie die öffentliche Beschaffung als Treiber der Kreislaufwirtschaft aktiv werden kann.
Dialog als Schlüssel: Gemeinsame Lösungen für mehr Resilienz
Im Zentrum der Veranstaltung stand die anschließende Podiumsdiskussion. Diese ergänzte die Perspektiven durch wissenschaftliche Impulse: Prof. Dr. Michael Vielhaber beleuchtete insbesondere die Frage, wie Kreislaufwirtschaft technologisch weiterentwickelt und systemisch verankert werden kann.
Gemeinsam diskutierten Referenten und Teilnehmende, wie Kreislaufwirtschaft dazu beitragen kann, die heimische Industrie widerstandsfähiger gegenüber globalen Krisen zu machen.
Schulterschluss für eine zirkuläre Industrie
Das Fazit: Die Sicherung von hochwertigem Stahlschrott, verlässliche politische Rahmenbedingungen sowie ein enger Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sind entscheidend, um die Potenziale der Circular Economy voll auszuschöpfen.
Die Veranstaltung bot damit nicht nur wertvolle fachliche Einblicke, sondern auch eine wichtige Plattform für Austausch und Vernetzung. Klar wurde: Kreislaufwirtschaft ist ein zentraler Baustein für die nachhaltige Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Über den Stahlverband:
Der Stahl-Verband-Saar e.V. (SVS) ist der Zusammenschluss von insgesamt 19 Unternehmen der Stahlindustrie im Saarland, darunter u.a. die AG der Dillinger Hüttenwerke, Saarstahl AG, die Stahlwerk Bous GmbH, die Saar-Hartmetall und Werkzeuge GmbH, die Badische Stahlwerke GmbH in Kehl (Baden-Württemberg) sowie die stow Völklingen GmbH. Für die Mitgliedsunternehmen des Verbands sind rund 12.000 Beschäftigte tätig. Als Wirtschafts- und Arbeitgeberverband vertritt der SVS die wirtschafts- und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder und schließt Tarifverträge mit den zuständigen Gewerkschaften ab. Zudem setzt sich der Verband für die nachhaltige Stärkung des Wirtschaftsstandorts Saarland ein.
Diese News erscheint im Rahmen der saarländischen Transferinitiative. Partner der Initiative sind die saaris GmbH, die FITT gGmbH sowie die Triathlon Transfer GmbH. Ziel der gemeinsamen Aktivitäten ist die nachhaltige Stärkung des Technologietransfers im Saarland und damit die gezielte Weiterentwicklung und Wettbewerbsfähigkeit des saarländischen Wirtschaftsstandortes.
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