Homburger Zukunftsforum: Wie Universitätsmedizin zum Innovationsmotor einer Region werden kann
Der geplante Neubau des Universitätsklinikums des Saarlandes eröffnet neue Perspektiven für Medizin, Forschung und Wirtschaft. Beim ersten Homburger Zukunftsforum diskutierten mehr als 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Medizin, Wirtschaft und Politik, wie diese Chance für die Entwicklung des gesamten Saarlandes genutzt werden kann. Beispiele aus der Lausitz und der österreichischen Steiermark zeigten, wie Universitätsmedizin zum Motor für Innovation und regionale Wertschöpfung werden kann.
Universitätsmedizin als Impulsgeber für den Strukturwandel
Der Neubau des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) ist weit mehr als ein Bauprojekt. Er bietet die Möglichkeit, Forschung, Lehre, medizinische Versorgung und Wirtschaft enger miteinander zu verbinden. Unter dem Titel „Aufbruch in die Gesundheitswelt von morgen“ widmete sich das erste Homburger Zukunftsforum dieser Perspektive.
Veranstaltet wurde das Forum vom Verein der Freunde des Universitätsklinikums in Kooperation mit der saaris GmbH im Rahmen der Transferinitiative House of Transfer. Ziel ist es, einen langfristigen Dialog über die Zukunft der Universitätsmedizin und ihre Bedeutung für die regionale Entwicklung anzustoßen.
Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Universitätsmedizin kann weit über die Patientenversorgung hinaus wirken. Wenn Forschungsergebnisse in die Praxis und Wirtschaft übertragen werden, entstehen neue Produkte, Dienstleistungen, Unternehmensgründungen und qualifizierte Arbeitsplätze. Davon kann die gesamte Region profitieren.
Lausitz und Graz zeigen, wie es funktionieren kann
Professor Dr. mult. Eckhard Nagel von der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus stellte vor, wie die Lausitz den Strukturwandel nutzt, um eine neue Gesundheits- und Wissenschaftsregion aufzubauen. Mit einer neuen Universität und umfangreichen Investitionen sollen medizinische Versorgung, Forschung und wirtschaftliche Entwicklung gestärkt werden. Ein wichtiger Ansatz ist die digital vernetzte Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsanbieter, um die Versorgung der Bevölkerung ganzheitlich sicherzustellen.
Professor Dr. Alexander Rosenkranz, Vizerektor der Medizinischen Universität Graz, präsentierte mit der dort entstandenen Medical Science City ein weiteres Beispiel. In Graz arbeiten Forschung, Lehre, klinische Versorgung und Wirtschaft eng zusammen. Neben modernen Forschungs- und Klinikstrukturen gibt es Raum für Start-ups, Technologietransfer und Kooperationen mit Unternehmen. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu überführen.
Beide Beispiele zeigen, dass ein Klinikneubau zum Ausgangspunkt einer umfassenden regionalen Entwicklung werden kann. Voraussetzung sind eine gemeinsame Strategie und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.
Industrie, Forschung und Medizin stärker vernetzen
Wie wichtig die frühzeitige Zusammenarbeit mit der Industrie ist, verdeutlichte Christina Woll, Geschäftsführerin der WOLL Group. Kompetenzen aus Maschinenbau, Robotik und Automatisierung bieten wichtige Voraussetzungen für neue Entwicklungen in Medizintechnik, Pharma und Biotechnologie. Unternehmen sollten deshalb bereits in frühen Entwicklungsphasen eingebunden werden.
Auch Professorin Dr. Dr. Stephanie Tritt, Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktorin des UKS, sieht im Saarland gute Voraussetzungen. Die Herausforderung bestehe darin, vorhandene Kompetenzen stärker zu bündeln und aus einzelnen Aktivitäten gemeinsame Projekte zu entwickeln. Der Neubau des UKS müsse deshalb von Anfang an als Teil einer umfassenden Regionalentwicklung betrachtet werden.
In der abschließenden Diskussion, moderiert von Professor Dr. Josef Hilbert vom Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen, ging es unter anderem um neue Versorgungsansätze, den Einsatz Künstlicher Intelligenz, mögliche Flächen für Unternehmensgründungen sowie die engere Zusammenarbeit zwischen UKS und Universität des Saarlandes. Einigkeit bestand darin, dass aus dem Zukunftsdialog konkrete Vorhaben entstehen müssen.
Vom Austausch zu konkreten Innovationsprojekten
Für die weitere Vernetzung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen steht mit dem House of Transfer (HoT) eine zentrale Anlaufstelle zur Verfügung. Das gemeinsame Projekt der saaris GmbH, der FITT gGmbH und der Triathlon Transfer GmbH unterstützt dabei, Innovationsbedarfe zu identifizieren, geeignete Forschungs- und Entwicklungspartner zu vermitteln und gemeinsame Projekte umzusetzen. Unter dem Ansatz „Transfer as a Service“ begleitet es den Weg von der ersten Idee bis zur Entwicklung marktfähiger Lösungen. Die Schwerpunkte liegen auf Sustainable Smart Production & New Mobility, Life Science & Material Science, Digitalisierung & Künstliche Intelligenz sowie Innovationsmanagement & Technologietransfer.
Das Zukunftsforum soll in den kommenden drei Jahren fortgesetzt werden. Ziel ist es, weitere Akteure einzubinden, Kooperationen aufzubauen und die Potenziale der Universitätsmedizin für die Entwicklung des Gesundheitsstandorts Saarland zu nutzen.
Weitere Informationen: www.houseoftransfer.saarland
Impressionen der Veranstaltung






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